1. Ein Markt, der 2025 noch fiel
Anfang 2025 rechnete die Branche mit sinkenden Preisen. Der Marktbeobachter TrendForce erwartete für das erste Quartal einen Rückgang von 8 bis 13 Prozent bei gewöhnlichem DRAM, DDR4 sollte wegen chinesischer Überkapazitäten noch schneller fallen. Wer damals ein 32-GB-Kit DDR5-6000 kaufte, zahlte in Deutschland um die 90 bis 120 Euro.
2. Die Hersteller kündigen DDR4 ab
Zwischen April und Juni 2025 erklärten Samsung, SK hynix und Micron DDR4 zum Auslaufmodell: letzte Bestellungen bis Herbst 2025, letzte Lieferungen bis Frühling 2026. Die Folge war sofort sichtbar: Ende Juni 2025 verdoppelten sich die DDR4-Spotpreise innerhalb einer Woche. Im Juli war ein 8-GB-DDR4-Modul erstmals teurer als sein DDR5-Pendant. Samsung und SK hynix verlängerten die DDR4-Produktion daraufhin bis 2026, weil der alte Standard unverhofft zur Goldgrube wurde.
3. Dann kam die Welle aus den KI-Rechenzentren
Der eigentliche Treiber ist HBM, der gestapelte Hochleistungsspeicher auf KI-Beschleunigern. Er braucht pro gespeichertem Bit rund dreimal so viel Waferfläche wie normaler DRAM, und er wird mit langfristigen Verträgen zu hohen Preisen bezahlt. Die drei Hersteller, die 95 Prozent des Marktes kontrollieren, verlagern deshalb Kapazität von PC- und Notebook-Speicher zu HBM und Server-Modulen. Im vierten Quartal 2025 stiegen die Vertragspreise um 45 bis 50 Prozent, im ersten Quartal 2026 noch einmal um 93 bis 98 Prozent. Samsung stoppte zeitweise ganz, neue Verträge anzubieten. Die Branche nennt es inzwischen «DRAMpocalypse».
4. Und jetzt? Teuer bleibt teuer, aber der Anstieg flacht ab
Für das dritte und vierte Quartal 2026 erwartet TrendForce noch Aufschläge von 13 bis 18 beziehungsweise 10 bis 15 Prozent, nicht weil mehr Speicher kommt, sondern weil sich Käufer die Preise nicht mehr leisten. Neue Fabriken von Micron in Idaho und Taiwan liefern frühestens ab Mitte 2027, Samsungs nächste Grossfabrik gegen Ende 2028. Analysten von Goldman Sachs bis Counterpoint rechnen erst zwischen Ende 2027 und 2028 mit einem Gleichgewicht. Die Konsequenzen sind längst im Laden angekommen: Sony hob den Preis der PS5 um 100 Euro an, Valve verteuerte das Steam Deck um über 200 Euro, Gartner rechnet 2026 mit 17 Prozent teureren PCs.
Was das für den Kauf heisst: Auf einen Preissturz zu warten, ist derzeit keine Strategie. Sinnvoll ist, genau das Kit zu kaufen, das man braucht, nicht mehr, bei dem Händler, der es heute lieferbar hat. Der Preisalarm fängt die Ausreisser nach unten ab.